Partnerwahl: Soll man Frauen auf der Straße ansprechen?

Ausdrücke wie »anmachen«, »anbaggern« oder »aufreißen« sind nicht gerade schön. Sie zeigen, dass wir immer noch ein verklemmtes Verhältnis zur natürlichen Kommunikation haben

Soll man also Frauen auf der Straße ansprechen? Ja, was denn sonst! Schon die Griechen kannten den Begriff »agorazein«, was soviel heißt wie: »Auf den Markt gehen und sehen, was es Neues gibt.« Wir übersetzen uns das griechische Verb mit: »Mit dem weiblichen Mitmensch ins Gespräch kommen und hören, was er zu sagen hat.«   Frauen machen das übrigens schon seit Jahrhunderten. Sie sprechen Männer auf der Straße an – ohne dabei ein Wort zu sagen. Sie haben das gar nicht nötig. Frauen sind viel raffinierter und kommunikationsstärker als wir. Sie nehmen mit uns Männern, wenn man so will, telepathisch Kontakt auf. Sie signalisieren durch Haltung und Blicke, ob sie gern angesprochen werden wollen. Oder, noch schlauer: Sie sind zur rechten Zeit am rechten Ort, haargenau dort, wo sich der interessante Mann befindet. Er glaubt, er habe sie entdeckt, dabei hat sie ihn schon lange ausgeguckt. Er meint, er habe sie angesprochen, dabei hat er es nur darum getan, weil sie es längst beschlossen hatte.   Manches Werben der Männer um Frauen gleicht der Belagerung von Troja. Das ist wenig aussichtsreich. Der kluge Mann entwickelt Antennen. Er spürt, wenn eine Frau gern mit ihm ins Gespräch kommen würde. Dann aber heißt es: Laß dir etwas einfallen! Aber versuche nicht, auf Teufel komm raus originell zu wirken. Das ist nämlich gar nicht nötig. Frauen wollen genauso gern jemanden kennenlernen wie wir.   Aber bitte nicht so wie der Held in Philip Roths Roman Portnoy’s Complaint ! Der steht an der Ampel neben eine Frau und sagt als ersten Satz: »Entschuldigen Sie bitte, darf ich Ihre [folgt ein Verb, das dem Leser von nicht zugemutet werden kann] [folgt ein Substantiv, das dem dem Leser in diesem Zusammenhang ebensowenig zugemutet werden kann]?« Nur selten wird die solcherart Angesprochene sich davon angesprochen fühlen und wie die Dame im Roman antworten: »Aber selbstverständlich!«   Am besten ist es, wenn die Kontaktaufnahme überhaupt nicht den Charakter des Ansprechens hat, sondern sich ganz natürlich ergibt. Frauen beherrschen das. Lernen wir es von ihnen!